Laden...

Ärztinnen- und Ärztekammer NÖ klärt auf und kontert der ÖGK

Presseinformation vom 1. April 2025

Die Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich hält in einem Beschluss fest, dass für Nicht-Risikopatient:innen ein Ganzkörper-Hautcheck bei Fachärzt:innen für Dermatologie eine Privatleistung darstellt. Patient:innen mit Hautkrebs in der Vorgeschichte oder einer laufenden immunsuppressiven Therapie bzw. nach Transplantation erhalten selbstverständlich weiterhin eine kostenlose Muttermalkontrolle bei Fachärzt:innen für Dermatologie. Diese Position deckt sich vollständig mit der der ÖGK NÖ, die für hautgesunde Menschen ohne spezielles Risiko auch bisher keinen Vorsorgevertrag mit den niedergelassenen Kassenärzt:innen vorgesehen hat. Eine kostenfreie Kassenleistung bleibt der Hautcheck im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin und Familienmedizin und Innere Medizin mit einem Vorsorge-Untersuchungsvertrag der ÖGK.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ressourcenmanagement schafft sinnvolle Patient:innenlenkung: Dermatologie ist in Niederösterreich ein Mangelfach und erfordert ein intelligentes Ressourcenmanagement im dringenden Interesse der Patient:innen und Fachärzt:innen. Die ÄKNÖ sorgt mit einem Beschluss in der Kurienversammlung vom 19. März, der am 1. April in Kraft tritt, für Klarheit. Wünschen hautgesunde Menschen eine vorsorgliche Ganzköper-Muttermalkontrolle sind dafür künftig 60 Euro als Privatleistung zu bezahlen.

  • Hautcheck im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung bleibt: Der im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung ab dem 18. Lebensjahr vorgesehene vorsorgliche Ganzkörper-Hautcheck bei Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin und Familienmedizin und Innere Medizin bleibt selbstverständlich erhalten.

  • Abklärung durch Fachärzt:innen bei identifiziertem Risikoprofil: Auffällige Hautveränderungen werden natürlich weiterhin bei Fachärzt:innen für Dermatologie abgeklärt.

  • Wahlärzt:innen können Leistungen nicht refundieren: Aufgrund des fehlenden Vorsorgevertrages ist es auch nicht möglich, einen vorsorglichen Ganzkörper-Hautcheck durch Wahlärzt:innen für eine Refundierung bei der Sozialversicherung einzureichen.

  • Gesundheitsprävention stärken und zur Eigenkontrolle motivieren: Neben einer intakten und lückenlosen medizinischen Hautvorsorge bei Österreichs Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin und Familienmedizin wird seitens der Fachärzt:innen für Dermatologie seit Jahrzehnten zur regelmäßigen Selbstkontrolle geraten. Die laufende Selbstbeobachtung ist gerade bei Menschen mit erblicher Disposition sowie bei Menschen, die berufsbedingt stark der Sonne ausgesetzt sind, ein sehr effektives Mittel zur Früherkennung und damit zur Gesundheit!

„Die jetzt durch unsere Fachgruppe geschaffene Klarheit bedeutet einen wichtigen Schritt in Richtung Ressourcenmanagement und zielgerichteter Patient:innenlenkung. Dermatologie ist in Niederösterreich ein Mangelfach, von den derzeit 38 Planstellen der ÖGK NÖ sind trotz jahrelanger intensiver Bemühungen gerade einmal 25 besetzt. Damit sind wochen- und monatelange Wartezeiten trotz intensiv und unermüdlich tätiger Fachärzt:innen die logische Konsequenz“, sagt Dr. Krista Ainedter-Samide, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Fachgruppenobfrau der Ärztinnen- und Ärztekammer Niederösterreich und stellvertretende Obfrau der Bundesfachgruppe Dermatologie.

Niederösterreich folgt dem Beispiel von Tirol und der Steiermark

Die Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich folgt mit diesem Schritt der Klarstellung dem Beispiel von Tirol und der Steiermark. In Tirol wird seit 2019 die vorsorgliche Ganzkörper-Muttermalkontrolle als Leistung im kassenfreien Raum privat verrechnet. In der Steiermark ist seit Sommer 2024 der vorsorgliche Ganzkörper-Hautcheck für hautgesunde Menschen ohne Risikoprofil bei Fachärzt:innen für Dermatologie ebenfalls klar als Privatleistung deklariert. In Vorarlberg war der vorsorgliche Ganzkörper-Hautcheck immer schon eine Leistung im kassenfreien Raum.

Die rechtliche Prüfung durch die Landesärztekammern bestätigt diesen sinnvollen Schritt

Die vorsorgliche Muttermalkontrolle ist nach eingehender rechtlicher Prüfung eine Präventivleistung und keine kurative Krankenbehandlung. „Darüber hinaus ist dieser Schritt im Sinne des Ressourcenmanagements und der zielgerichteten Lenkung der Patient:innenströme angebracht. Auf diese Weise werden Ressourcen für zugewiesene Risikopatient:innen sowie für hautkranke Menschen frei und nicht blockiert“, sagt Dr. Harald Schlögel, Präsident der Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich.

Reaktion der ÖGK ist unverständlich und stiftet Verunsicherung

Die bisherige Reaktion der ÖGK NÖ überrascht die Ärztinnen- und Ärztekammer NÖ, da die ÖGK NÖ selbst auf ihrer Website klar festhält, dass für hautgesunde Menschen ohne spezielles Risiko im Honorarkatalog für Dermatologie keine Position für eine reine Vorsorgeuntersuchung vorgesehen ist. Fachärztliche Untersuchungen für hautkranke Menschen werden von der ÖGK NÖ hingegen selbstverständlich honoriert. Dies ist hier nachzulesen.

  • „Die Untersuchung mit Auflichtmikroskop bei niedergelassen Hautärztinnen bzw. -ärzten mit Kassenvertrag wird übernommen bei Menschen,

  • denen bereits ein bösartiges Melanom bzw. ein invasives Plattenepithelkarzinom entfernt wurde innerhalb des Nachsorgezeitraums (10 Jahre nach Entnahme), je nach Tumorstadium alle 3 bis 12 Monate,

  • unter Immunsuppression nach Organtransplantation alle 12 Monate oder 

  • bei denen die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt einen konkreten Krankheitsverdacht unter genauer Angabe der Hautveränderung feststellt.“

Fachgesellschaft erstellt derzeit Leitlinien

Aktuell arbeitet die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie intensiv an der Ausarbeitung klar definierter Leitlinien, um weitere Klarheit für die Patient:innen zu schaffen. Diese wissenschaftlichen Leitlinien sollen bis Herbst vorliegen. Österreich folgt damit unter anderem dem Beispiel Deutschlands.

Rückfragehinweis:
Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich
Presse, PR & Kommunikation
presse@arztnoe.at